Berufsausbildung in den Niederlanden

BKU informiert sich über die Berufsausbildung in den Niederlanden - Kooperationsprojekt „Krefeld – Nijmegen“ am 12.09.2012

 

Im Rahmen des deutsch-niederländischen Projekts „Ler(n)ende Euregio,  Förderung des Arbeitsmarktes in der EUREGIO“ besuchte auf Einladung des ROC Nijmegen (ROC-Regionaal Opleidings Centra) das Kollegium des BKU am 12. September das holländische Berufsausbildungszentrum. Ziel der ganztägigen Fortbildung war es, das niederländische Berufsausbildungssystem im Vergleich zum deutschen kennen zu lernen und gegebenenfalls Benchmarking-Prozesse zu nutzen.

Sehr herzlich begrüßte Renie Hesseling die Gäste des Berufskollegs Uerdingen aus Krefeld im Hause des ROC. Beeindruckend waren die Kolleginnen und Kollegen sofort nach der Ankunft vom Gebäude und der Ausstattung dieser Bildungseinrichtung, die hochmodern und neu mit interessanter Architektur eher an einen Flughafen oder an eine Universität erinnerte. Auf vier Etagen waren um einen Mittelgang die Klassen- und Fachräume so angelegt, dass – durch die Verwendung von Glas als Baumaterial – während des Unterrichts in die Klassen geschaut werden konnte. Für deutsche Verhältnisse eher ungewöhnlich.

Zu Beginn informierten Herr Hesseling und Frau van den Brink am Beispiel des ROC über das Berufsausbildungssystem, dass sowohl aus Vollzeitbildungsgängen als auch aus Bildungsgängen des Dualen Systems besteht – wie in Deutschland auch. Allerdings findet Ausbildung nur in der Schule statt, auch die praktische Ausbildung. In den Betrieben wird (nur) gearbeitet.
Zum Angebot gehören außerdem maßgeschneiderte Qualifizierungsmaßnahmen für Unternehmen und Organisationen. Am ROC Nijmegen sind derzeit etwa 12000 Jugendliche und Erwachsene für eine Berufsausbildung oder eine Fortbildung eingeschrieben (sie heißen auch Studenten). Wie werden von gut 1100 Mitarbeitern betreut (am BKU werden 2800 Schüler von 90 Kollegen betreut). Ungefähr 40 Prozent aller Einwohner der Niederlande haben eine Ausbildung an einem ROC absolviert oder sind gerade dabei.
Das ROC bietet eine vierstufige Niveauausbildung, welche die Studierenden durchlaufen können:
Niveau 1: Berufliche Grundlagen
Niveau 2: Assistententätigkeiten
Niveau 3: Abgeschlossene Berufsausbildung
Niveau 4: Entspricht der deutschen Technikerausbildung

Das ROC ist eine „Selbstständige Schule“. Das heißt, sie verwaltet sich völlig eigenverantwortlich und hat dazu einen Etat von 62 Millionen Euro. Die Schüler zahlen ein Schulgeld von jährlich 1000 Euro. Was das wohl für das BKU bedeuten würde?
Zudem berichtete ein in diesem Jahr examinierter Touristik-Student des ROC aus seiner Sicht über seine berufliche Laufbahn am ROC. Besonders die Berichte über die Auslandpraktika und das handlungsorientierte Lernen beeindruckte die Gäste.
Im Anschluss dieser Vorträge wurden die Kolleginnen und Kollegen des Berufskolleg Uerdingen in Gruppen durch das ROC geführt und hatten so die Gelegenheit, Einsicht in die konkrete Unterrichtsarbeit vor Ort zu nehmen und reichlich Fragen zu stellen.

Aber auch Betriebe, mit denen das ROC zusammenarbeitet, und kulturelle Programmpunkte waren nach diesem informativen Vormittag Ziel der Fortbildung. So besuchten anschließend zwei Gruppen jeweils die Firmen NXP und Eromes; der andere Teil nahm an verschiedenen Stadtführungen durch Nijmegen teil.
Als der Tag gegen 17:30 Uhr zu Ende ging, war man sich einig, eine interessante Studienreise erlebt zu haben.
Dieser Fortbildungstag wurde gefördert aus Mitteln der EU und stellte einen Beitrag zu der Arbeit des BKU als Europaschule dar.

Nicola Wittmer, Stefan Cloerkes

Bilder: Wolfgang Gintzel